Orientierung für Betroffene & Angehörige
Essen und Trinken gehören zu den alltäglichen Dingen, über die man kaum nachdenkt. Erst wenn das Schlucken nicht mehr selbstverständlich funktioniert, verändert sich dieser Moment grundlegend. Vor allem im höheren Lebensalter oder im Zusammenhang mit Erkrankungen wie einem Schlaganfall, Parkinson oder Demenz treten Schluckstörungen auf: Mahlzeiten werden unsicher und oft wächst die Sorge vor dem Verschlucken – mit einer passenden Vorbereitung und der richtigen Zubereitung der Kost lässt sich der Umgang mit der Ernährung bei Schluckstörungen (Dysphagie) jedoch gut auffangen.
Beim Schlucken arbeiten viele Muskeln und Nerven rund um das Kauen und die Speichelbildung genau aufeinander abgestimmt zusammen. Ist dieser Ablauf gestört, spricht man von einer Schluckstörung
oder Dysphagie. Nahrung und Getränke gelangen dann nicht mehr sicher in die Speiseröhre, sondern können fehlgeleitet werden.
Im Alltag äußert sich das unterschiedlich: Manche Menschen husten häufiger beim Essen oder Trinken, andere müssen sich oft räuspern oder haben das Gefühl, dass Speisen im Rachen stehen bleiben. Auch
eine veränderte Stimme nach dem Schlucken kann ein Hinweis sein. Wie ausgeprägt diese Anzeichen sind, variiert stark. Eine Schluckstörung entwickelt sich meist schrittweise und wird nicht immer
sofort erkannt. Umso wichtiger ist es, Veränderungen ernst zu nehmen und die Ernährung bei Schluckstörungen frühzeitig anzupassen.
Welche Ernährung geeignet ist, hängt bei einer Dysphagie von mehreren Faktoren ab. Der Schweregrad der Schluckstörung, die Tagesform und individuelle Gewohnheiten spielen dabei ebenso eine Rolle wie bestehende Erkrankungen. Ziel der angepassten Ernährung ist es, sicheres Schlucken zu ermöglichen, das Risiko von Verschlucken und Aspiration zu reduzieren und zugleich dazu beizutragen, Kraft, Gewicht und allgemeines Wohlbefinden zu erhalten.
Bei einer Schluckstörung liegt das zentrale Problem oft nicht im Essen selbst, sondern in seiner Konsistenz. Zu feste, zu trockene oder sehr dünnflüssige Kost lässt sich bei Schluckstörungen schwer kontrollieren und erhöhen das Risiko, dass Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangt. Welche Konsistenz geeignet ist, hängt immer von der individuellen Situation ab und sollte fachlich beurteilt werden.
Feste Nahrung anpassen
Bereiten Sie feste Speisen so zu, dass sie sich im Mund gut formen und sicher schlucken lassen. Durch schonendes Garen werden Lebensmittel weich, anschließend können sie fein zerkleinert oder püriert
werden, etwa mit Messer, Mixer oder Pürierstab. Soßen, Brühe oder andere geeignete Flüssigkeiten helfen dabei, trockene Speisen geschmeidiger und gut schluckbar zu machen. Achten Sie darauf, dass
keine harten Stücke, Fasern oder Krümel zurückbleiben.
Flüssige Nahrung und Getränke anpassen
Dünnflüssige Speisen sowie Getränke lassen sich andicken, damit sie langsamer fließen und sich besser kontrollieren lassen. Dafür eignen sich sowohl spezielle Andickungspulver, die Sie zum Beispiel
in der Apotheke erhalten, als auch natürliche Bindemittel wie Speisestärke, Johannisbrotkernmehl oder fein pürierte Lebensmittel – etwa Banane oder Apfelmus. Rühren Sie die Bindemittel direkt in
Getränke oder Speisen ein, bis eine gleichmäßige, sämige Konsistenz ohne Klümpchen entsteht.
+ Im Alltag haben sich bestimmte Lebensmittel besonders bewährt, weil sie sich gut verarbeiten und vielseitig einsetzen lassen. Dazu zählen unter anderem Kartoffelpüree,
Grießbrei, Haferbrei, weich gekochter und fein pürierter Reis, pürierte Gemüsesuppen oder cremige Eintöpfe ohne Einlage. Auch Joghurt, Quark oder Pudding eignen sich gut, solange sie keine Stücke
enthalten. Obst lässt sich in Form von Apfelmus, Fruchtpüree oder fein pürierten Kompotten gut integrieren. Fleisch und Fisch können ebenfalls geeignete Lebensmittel bei Schluckstörungen sein, wenn
sie fein püriert und mit Soße oder Brühe ausreichend saftig zubereitet sowie geschmacklich aufgewertet werden.
- Weniger geeignet sind Lebensmittel, die stark krümeln, faserig sind oder sich im Mund ungleichmäßig verhalten. Dazu gehören Brot und Brötchen, Kekse, Zwieback, Müsli, Cornflakes
oder Knäckebrot. Auch Reis, Nudeln oder Kartoffeln ohne Soße bereiten häufig Schwierigkeiten. Rohes Gemüse, Salat, Pilze, Hülsenfrüchte oder Obst mit Schale und Kernen sind ebenfalls problematisch.
Nüsse, Samen und harte Lebensmittel sollten vollständig vermieden werden.
! Besondere Vorsicht gilt bei Speisen, die feste und flüssige Bestandteile miteinander verbinden. Suppen mit Einlage, Joghurt mit Fruchtstücken, Müsli mit Milch oder Obststücke in
Soße wirken auf den ersten Blick harmlos, führen in der Praxis der Dysphagie-Ernährung jedoch häufig zu Problemen.
Bei Schluckstörungen besteht ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung. Viele Betroffene nehmen aufgrund der eingeschränkten Schluckfunktion nur kleine Mengen zu sich oder brechen Mahlzeiten
frühzeitig ab. In der Folge kann es zu Gewichtsverlust, Kraftabbau oder einer Unterversorgung kommen. Um einer Mangelernährung entgegenzuwirken, empfiehlt sich unter ärztlicher Abklärung eine
möglichst nährstoffdichte Ernährung, beispielsweise durch Anreicherung mit hochwertigen Ölen, speziellen Ergänzungsprodukten oder Trinknahrung.
Reicht die Nahrungsaufnahme trotz angepasster Ernährung nicht aus, kann eine ergänzende oder vollständige Ernährung über eine Sonde notwendig werden. Die Entscheidung dafür trifft
der/die zuständige Arzt/Ärztin auf Grundlage des Gesundheitszustands, der Schluckfähigkeit und der individuellen Situation.
Die Ernährung bei Schluckstörungen kann herausfordernd sein, lässt sich mit dem richtigen Vorgehen jedoch häufig gut bewältigen. Angepasste Kostformen, eine bewusste Gestaltung der Mahlzeiten und eine ausreichende Nährstoffversorgung ermöglichen es in vielen Fällen, Essen und Trinken weiterhin oral aufrechtzuerhalten und eine Sondenernährung zu vermeiden oder hinauszuzögern. Dennoch sollten Warnzeichen immer ernst genommen werden: Klären Sie Veränderungen beim Schlucken, wiederholtes Husten, Gewichtsverlust oder zunehmende Unsicherheiten immer fachlich ab.
Als Ihr Pflegedienst aus Bochum begleitet unser Team Betroffene und Angehörige mit fachlicher Erfahrung im Umgang
mit Dysphagie. Im Rahmen unserer Seniorenbetreuung in Bochum unterstützen
wir bei der Gestaltung und Begleitung von Mahlzeiten und stimmen die Ernährung im Alter
individuell mit weiteren beteiligten Fachrichtungen wie Medizin, Logopädie und Ernährungsberatung ab.
Sie haben noch Fragen oder sind unsicher, wie die Ernährung bei Dysphagie im individuellen Fall am besten gestaltet werden kann? Kommen Sie gern auf uns zu – wir beraten Sie fachlich
und persönlich.
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